Friedrich Hölderlin

Fishermen in Murudeshwara, Karnataka carrying their boat into the sea after sunset

Diotima

Komm und besänftige mir, die du einst Elemente versöhntest,

Wonne der himmlischen Muse, das Chaos der Zeit,

Ordne den tobenden Kampf mit Friedenstönen des Himmels,

Bis in der sterblichen Brust sich das Entzweite vereint,

Bis der Menschen alte Natur, die ruhige, große,

Aus der gärenden Zeit mächtig und heiter sich hebt.

Kehr in die dürftigen Herzen des Volks, lebendige Schönheit!

Kehr an den gastlichen Tisch, kehr in die Tempel zurück!

Denn Diotima lebt, wie die zarten Blüten im Winter,

Reich an eigenem Geist, sucht sie die Sonne doch auch.

Aber die Sonne des Geists, die schönere Welt, ist hinunter

Und in frostiger Nacht zanken Orkane sich nur.

An die Unerkannte

Kennst du sie, die selig, wie die Sterne,

Von des Lebens dunkler Woge ferne

Wandellos in stiller Schöne lebt,

Die des Herzens löwenkühne Siege,

Des Gedankens fesselfreie Flüge,

Wie der Tag den Adler, überschwebt?

Die uns trifft mit ihren Mittagsstrahlen,

Uns entflammt mit ihren Idealen,

Wie vom Himmel, uns Gebote schickt,

Die die Weisen nach dem Wege fragen,

Stumm und ernst, wie von dem Sturm verschlagen

Nach dem Orient der Schiffer blickt?

Die das Beste gibt aus schöner Fülle,

Wenn aus ihr die Riesenkraft der Wille

Und der Geist sein stilles Urteil nimmt,

Die dem Lebensliede seine Weise,

Die das Maß der Ruhe, wie dem Fleiße

Durch den Mittler, unsern Geist, bestimmt?

Die, wenn uns des Lebens Leere tötet,

Magisch uns die welken Schläfe rötet,

Uns mit Hoffnungen das Herz verjüngt,

Die den Dulder, den der Sturm zertrümmert,

Den sein fernes Ithaka bekümmert,

In Alcinous Gefilde bringt?

Kennst du sie, die uns mit Lorbeerkronen,

Mit der Freude beßrer Regionen,

Ehe wir zu Grabe gehn, vergilt,

Die der Liebe göttlichstes Verlangen,

Die das Schönste, was wir angefangen,

Mühelos im Augenblick erfüllt?

Die der Kindheit Wiederkehr beschleunigt,

Die den Halbgott, unsern Geist, vereinigt

Mit den Göttern, die er kühn verstößt,

Die des Schicksals eh’rne Schlüsse mildert,

Und im Kampfe, wenn das Herz verwildert,

Uns besänftigend den Harnisch löst?

Die das Eine, das im Raum der Sterne,

Das du suchst in aller Zeiten Ferne

Unter Stürmen, auf verwegner Fahrt,

Das kein sterblicher Verstand ersonnen,

Keine, keine Tugend noch gewonnen,

Die des Friedens goldne Frucht bewahrt?

An einen Baum

… und die ewigen Bahnen

Lächelnd über uns hin zögen die Herrscher der Welt,

Sonne und Mond und Sterne, und auch die Blitze der Wolken

Spielten, des Augenblicks feurige Kinder, um uns,

Aber in unsrem Innern, ein Bild der Fürsten des Himmels,

Wandelte neidlos der Gott unserer Liebe dahin,

Und er mischte den Duft, die reine, heilige Seele,

Die, von des Frühlinges silberner Stunde genährt,

Oft überströmte, hinaus ins glänzende Meer des Tages,

Und in das Abendrot und in die Wogen der Nacht,

Ach! wir lebten so frei im innig unendlichen Leben,

Unbekümmert und still, selber ein seliger Traum,

Jetzt uns selber genug und jetzt ins Weite verfliegend,

Aber im Innersten doch immer lebendig und eins.

Glücklicher Baum! wie lange, wie lange könnt’ ich noch singen

Und vergehen im Blick auf dein erbebendes Haupt,

Aber siehe! dort regt sich’s, es wandeln in Schleiern die Jungfraun

Und wer weiß es, vielleicht wäre mein Mädchen dabei;

Laß mich, laß mich, ich muß – lebwohl! es reißt mich ins Leben,

Daß ich im kindischen Gang folge der lieblichen Spur,

Aber du Guter, dich will, dich will ich nimmer vergessen,

Ewig bist du und bleibst meiner Geliebtesten Bild.

Und käm’ einmal ein Tag, wo sie die meinige wäre,

O! dann ruht’ ich mit ihr, unter dir, Freundlicher, aus

Und du zürnetest nicht, du gössest Schatten und Düfte

Und ein rauschendes Lied über die Glücklichen aus.

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